"Quantitative und qualitative Wohnraumnachfrage in Rheinland-Pfalz bis zum Jahr 2030" – Präsentation der empirica Studie

Zunehmend suchen Menschen wieder Wohnraum in den großen Zentren sowie im Umland von wirtschaftsstarken Ballungsräumen. Dieser Nachfragetrend führt zusammen mit dem Bevölkerungsrückgang gerade in abseits gelegenen strukturschwachen ländlichen Räumen zu einem wachsenden Angebotsüberhang und ausbleibenden Investitionen in den Wohnungsbestand, so das Fazit einer aktuellen Wohnungsmarktstudie in Rheinland-Pfalz. Besonders betroffen seien bereits heute die Ortskerne mit starker Verkehrsbelastung und veralteter Bausubstanz. Die "empirica ag" hat heute in Mainz die Studie vorgestellt. Auftraggeber waren das Bauforum Rheinland-Pfalz, das Ministerium der Finanzen und die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB).

"Neue Ansprüche an Wohnungsgrundrisse sowie technische und energetische Standards, veränderte Familienstrukturen und höhere Mobilität führen insgesamt zu einer veränderten Wohnungsnachfrage. Barrierefreiheit, niedrige Energiekosten, ansprechende Architektur und eine zeitgemäße Infrastrukturversorgung – auch im Wohnumfeld – sind heute wichtige Nachfragekriterien" so ein weiteres wichtiges Fazit der Studie.

Eine zentrale Besonderheit in Rheinland-Pfalz sei die teilweise extreme Spreizung der Wohnungsmärkte. So seien Neuvertragsmieten zwischen den Jahren 2005 und 2013 in Trier um 32, in Mainz um 22 Prozent gestiegen. In einigen weiteren Städten und Landkreisen sind die Mieten ebenfalls angestiegen. Zeitgleich haben sich beispielsweise in Pirmasens oder dem Rhein-Lahn-Kreis die Neuvertragsmieten hingegen praktisch nicht geändert. Im Landkreis Altenkirchen sind sie sogar nominal geringfügig gesunken. Auch im Niveau seien die Unterschiede beträchtlich. Was die Mieten beträfe, so ist Speyer, abgesehen von Baden-Baden, die bundesweit teuerste Stadt unter 100.000 Einwohner. Zweibrücken und Pirmasens seien hingegen die günstigsten. 

Es sei ein gutes Zeichen, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer, dass „dieses Gutachten unter der Federführung des Bauforums konzipiert, beauftragt und durchgeführt wurde. Denn im Bauforum sind alle Institutionen, Verbände, das Land und die Hochschulen die sich mit Planen und Bauen befassen, versammelt. Denn nur gemeinsam können wir erreichen, dass alle Menschen in allen Teilen des Landes Rheinland-Pfalz gut leben und arbeiten können und sich unser Land wirtschaftlich erfolgreich weiterentwickelt.“ 

Finanzminister Carsten Kühl sagte: "Mit dem Gutachten wird, vor dem Hintergrund der vorausberechneten demografischen Entwicklung, die quantitative und qualitative Veränderung der Wohnungsnachfrage in Rheinland-Pfalz bis zum Jahr 2030 prognostiziert. Insgesamt kann in Rheinland-Pfalz von einem funktionierenden Wohnungsmarkt ausgegangen werden. Mit dieser pauschalen Aussage lässt sich allerdings nicht viel anfangen. Denn auf der regionalen, teils sogar auf kommunaler nachbarschaftlicher Ebene stellt sich die Situation völlig anders dar: Nachfragedruck und Abwanderung liegen oft nahe beieinander. 

Um Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen, ihnen entgegenzuwirken und zukunftsgerichtete Konzepte entwickeln zu können, bedarf es verlässlicher, empirischer und wissenschaftlicher Daten und Grundlagen. Das Gutachten wurde beauftragt, um belastbare, regional und kleinräumig differenzierte Grundlagen für die weitere Gestaltung der Wohnungspolitik in Rheinland-Pfalz zu bekommen. Die Ausgestaltung der Wohnraumförderung, insbesondere auch für den Bereich barrierefreier und seniorengerechter Wohnraum, kann so zielgenauer gelingen", sagte Kühl.

Die ISB als Förderbank des Landes nutzt die Erkenntnisse aus dem Gutachten für die zukunftsweisende Ausrichtung der Wohnraumförderung: "Die Ergebnisse unterstützen uns dabei, unsere Strategien, Programme und Angebote auszurichten, zielorientiert zu fördern und auf regionale Ungleichheiten zu reagieren", so Vorstandssprecher Ulrich Dexheimer.
Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagte: "Wohnungs- und Städtebaupolitik müssen künftig noch enger zusammenarbeiten und mit anderen Politikbereichen verzahnt werden: Vor allem mit der Sozial- und Demografiepolitik. Diese Veränderungen, die wir zurzeit schon spürbar erleben, erfordern ein Umdenken in vielen Bereichen. Vor allem aber ergeben sich daraus ganz neue Chancen und Perspektiven, die es zu nutzen gilt: Für die Verbesserung der Lebenssituation unserer Bürgerinnen und Bürger sowie für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes. Denn aus diesen Veränderungen entstehen auch neue Betätigungsfelder für die Bau- und Wohnungswirtschaft sowie für die Forschung und Produktentwicklung."
Dreyer sagte weiter: "Wir haben unsere Spielräume, den landesspezifischen Gegebenheiten und aktuellen und künftigen gesellschaftlichen Anforderungen an eine wirksame und soziale Wohnraumförderungspolitik Rechnung zu tragen, bereits genutzt. Wir haben mit Wirkung zum 1.1.2014 ein eigenes Landeswohnraumförderungsgesetz erlassen. 

Wir haben so den gesetzlichen Rahmen geschaffen für Fördermaßnahmen des Landes zur Sicherung der sozialen Wohnraumversorgung einschließlich stabiler Quartiersstrukturen.“

Insgesamt betrachtet sei Rheinland-Pfalz ein "außerordentlich attraktiver Wohnstandort: Bei der Eigentumsquote, bei der Wohnfläche pro Kopf und bei den Wohnungsgrößen nimmt Rheinland-Pfalz bundesweit einen Spitzenplatz ein. Unser Land hat das dichteste Straßennetz in Deutschland. Bei der Betreuungsquote der 3 bis 6-jährigen liegen wir an Platz 1 im Ländervergleich."

Weitere Informationen

>> Wohnungsmarktgutachten Rheinland-Pfalz

>> empirica Präsentation der Ergebnisse 05.09.2014

>> Kurzinformation Gutachten 

>> Gutachten zur Wohnraumnachfrage RLP

>>  Vertiefungsgutachten Besondere Wohnformen

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Claudia Belz
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