Neue Perspektiven am Arbeitsmarkt

Fachkräfte sichern: Informationsveranstaltung in Frankenthal

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch: Durch Digitalisierung, Technologisierung und Globalisierung entstehen neue Beschäftigungsformen und flexible Arbeitszeitmodelle. Diese haben nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf die Beschäftigten, sondern führen auch zu einem Anpassungsbedarf bei den Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsrechten der Arbeitnehmervertretungen. Als Teil der Reihe „Neue Perspektiven am Arbeitsmarkt“ luden das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie und die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) Betriebs- und Personalräte zu einer Diskussions- und Informationsveranstaltung nach Frankenthal ein.

Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler betonte in ihrem Grußwort: „Durch den Wandel der Arbeitswelt werden wir zukünftig einige Fragen ganz neu stellen müssen: Wer ist Arbeitnehmer? Und wann ist er es? Was ist Arbeitszeit, wenn die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit fließend sind? Was verstehen wir unter einem Arbeitsplatz, wenn feste Orte für das Arbeiten unwichtiger werden? Und schließlich: Wer bestimmt in dieser neuen Arbeitswelt die Regeln und wie schaffen wir den Arbeitnehmern den nötigen Raum, um ihre Interessen zu vertreten? Allen diesen Herausforderungen muss sich auch die betriebliche Mitbestimmung stellen. Deshalb ist es so wichtig, dieses Thema zusammen mit den Arbeitnehmervertretungen aufzugreifen und Modelle für die Zukunft zu entwickeln.“
 
Vor dem Hintergrund der sich wandelnden Arbeitswelt und der Sicherung des Fachkräftebedarfs sind die Arbeitnehmervertreter auch für die Zukunft vieler Unternehmen von zentraler Bedeutung. Ulrich Dexheimer, Sprecher des Vorstandes der ISB: „Als Förderbank bieten wir mit dieser Veranstaltung Arbeitnehmervertretungen eine Plattform zum Erfahrungsaustausch.“

Die Zukunft der guten Arbeit in der Dienstleistungsgesellschaft zeigte Dr. Elke Ahlers, Referat Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung, auf: „Der Dienstleistungssektor gewinnt in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung – mit wachsenden Beschäftigungszahlen und spürbar veränderten Anforderungen an die Arbeitskräfte in Bezug auf Flexibilität und Engagement. Atypische, sozial ungesicherte und vor allem niedrig entlohnte Beschäftigtenzahlen nehmen deutlich zu. Die sozialen Risiken, wie Altersarmut, müssen durch neue Regulierungen besser abgefedert werden. Gleichwohl sollten die Chancen der Arbeit – wie höhere Flexibilität für die Beschäftigten und Eigenverantwortung – als wichtige Ressourcen auch zum Wohl für die Beschäftigten gestaltet werden, um diese langfristig gesund zu erhalten.“

Hartwig Erb, Erster Bevollmächtigter und Geschäftsführer IG Metall Wolfsburg, erklärte in seinem Vortrag zum Thema Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf Unternehmen: „Die Industrie 4.0 ist für Gewerkschaften eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.“

Das Thema „Arbeit im Wandel und Mitbestimmung“ stand im Fokus der anschließenden Expertenrunde, die über die sich wandelnde Rolle der Arbeitnehmervertreter informierte und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Lösungsansätze aufzeigte, wie sie mit den Veränderungen umgehen können. „Wenn wir für eine gute Daseinsvorsorge einen handlungsfähigen Staat wollen, brauchen wir ausreichende Steuereinnahmen, sonst zahlen die Beschäftigten und ihre Betriebs- und Personalräte dafür die Zeche mit Leistungsdruck, Lohndumping, prekärer Beschäftigung und hohem Krankenstand“, lautete das Fazit von Jürgen Knoll, Bezirksgeschäftsführer Ver.di Pfalz.

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Claudia Belz
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