Die Nachfolge frühzeitig regeln

Veranstaltung "Nach mir die Sintflut? Unternehmensnachfolge" in Lahnstein

Den Generationenwechsel frühzeitig planen und die Nachfolge an der Unternehmensspitze regeln: Laut einer Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM) gilt dies für rund 6.200 Betriebe in Rheinland-Pfalz in den nächsten Jahren. Die gründliche und frühzeitige Vorbereitung von Betriebsübergaben ist gerade für kleine und mittlere Unternehmen besonders wichtig, lautete das Fazit der Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft bei der Veranstaltung „Nach mir die Sintflut? Unternehmensnachfolge“, zu der das Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung, die Volksbank Rhein-Lahn eG und die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) nach Lahnstein eingeladen hatten.

In ihrem einleitenden Vortrag „Unternehmensnachfolge in Rheinland-Pfalz“ sagte Wirtschaftsministerin Eveline Lemke vor rund 150 Gästen: „Wir brauchen Kontinuität in unseren Unternehmen. Fehlt ein Nachfolger, geht Wirtschaftswissen, gehen Wirtschaftskraft und Arbeitskräfte verloren. Das Thema ist von großer Bedeutung nicht nur für den einzelnen Betrieb, sondern für das ganze Land. Mein Ziel ist es daher, Interessierte über die Unternehmensübernahme als eine Form der Gründung zu informieren und Unternehmer bei der rechtzeitigen Vorbereitung der Unternehmensübergabe zu unterstützen.“

„Wer ein Unternehmen übernimmt, ist fast immer ein Existenzgründer, der mit der Übernahme eine selbstständige Existenz aufbaut“, so Dr. Ulrich Link, Mitglied des Vorstandes der ISB. „Als Förderbank des Landes unterstützen wir neben komplett neuen Projekten daher immer wieder Unternehmen mit funktionierendem Geschäftsmodell, sich infolge einer Nachfolge neu auszurichten.“

Dietmar Basta, Mitglied des Vorstandes der VR Bank Rhein-Lahn eG, sagte: „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Nachfolgeregelung eines Unternehmens zum einen rechtzeitig, dies heißt wenigstens drei bis fünf Jahre vor Eintritt des Übergabezeitpunktes, vorbereitet werden sollte und zum anderen, und hier werden oft Fehler gemacht, dass der Betrieb bis zum Tag der Übergabe modern und leistungsstark aufgestellt ist, um interessant für den Übernehmer und dessen wirtschaftliche Zukunftschancen zu sein.“ 

Zum Thema „Fit für die Übergabe – Ökonomische Attraktivität Ihres Unternehmens“ referierte Mario Görner, Direktor in der VR Corporate Finance GmbH: „Familienexterne Nachfolgelösungen gewinnen zunehmend an Bedeutung: Mehr als jede dritte Nachfolge wird außerhalb der Familie geregelt.“ 

Martin Neudecker, Geschäftsführer Unternehmensgründung und -förderung der Industrie- und Handelskammer Koblenz, Stefanie Binge, Leiterin Betriebsberatung und Wirtschaftsförderung der Handwerkskammer Koblenz, und Peter Hoffarth, Steuerberater und Mitglied des Präsidiums der Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz, diskutierten über die passende Übergabeform von Unternehmen. Die Betriebsübergabe sei neben der Gründungsphase die wichtigste strategische Phase eines Unternehmens – sowohl der Übergeber als auch der Übernehmer können auf die umfassende Unterstützung der Kammern bauen, lautete das Fazit der Runde.

Die Gründung und Übernahme eines Unternehmens steht und fällt mit der Finanzierung des Vorhabens. Einen Überblick über die Finanzierung und Förderung für Unternehmensgründer und ihre Nachfolger gaben Roland Wagner, Bereichsleiter Mittelstands-, Kommunalfinanzierung der ISB, und Anna Gogel, Firmenkundenberaterin der Volksbank Rhein-Lahn eG im Gespräch zu Finanzen. 

Zum Abschluss sprach Prof. Dr. Stefan Bieler, Abteilungsleiter BWL der Fachhochschule für die Wirtschaft Hannover (FHDW), über die psychologischen Aspekte der Unternehmensnachfolge. „Ein Unternehmer muss Entscheidungen treffen, die er voraussichtlich nur dieses eine Mal in seiner unternehmerischen Karriere trifft, und hat in dieser Richtung keine oder nur geringe Erfahrungen. Es betrifft sein Lebenswerk und ist mit viel Emotionalität behaftet.“

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Claudia Belz
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