Die Hitze-Profis

LaminaHeat produziert Wärme am laufenden Meter

Das Unternehmen aus Irland hat sich gerade in Rheinland-Pfalz angesiedelt – und plant von hier aus eine Revolution mit grauem Stoff.  

Er könnte im Fußboden liegen, gleich unter den Fliesen. Oder in der Wand stecken. Oder in einer Jacke, unter dem Rasen, in der Straße, in Werkzeugen oder in Reifen: ein ultra-dünner Stoff, gerade ein zehntel Millimeter dick, optisch unscheinbar – aber dennoch höchst innovativ. Das feine Gewebe, das LaminaHeat produziert, kann nämlich etwas ganz Besonderes: große Flächen gleichmäßig erwärmen. Es kann Eis und Schnee zum Schmelzen bringen, Körper und Füße wärmen, einen Raum beheizen. „Und es gibt noch sehr viel mehr Möglichkeiten. Wir fangen gerade erst an, das Potenzial ist enorm“, sagt Robert Bläsius, Geschäftsführer von Lamina-Heat Europa. 

Seit dem Jahr 2009 hatte ein internationales Erfinder-Team an der Entwicklung gearbeitet, sechs Jahre später wurde LaminaHeat in Irland offiziell gegründet. Dort allerdings fand sich weder ein geeigneter Standort für eine Produktionshalle noch eine attraktive Start-up-Förderung. „Wir haben in verschiedenen Ländern gesucht. Als internationales Team waren wir nicht auf Irland festgelegt“, erzählt LaminaHeat-Group-Geschäftsführer Rainer Duchene. Ein Kontakt führte schließlich nach Rheinland-Pfalz, dort schien die Möglichkeit einer Unternehmensbeteiligung durch den Venture-Capital-Bereich der ISB höchst interessant. Zudem bestand die Möglichkeit einer Förderung der Investitionen durch Zuschüsse aus den Programmen der Regionalförderung. „Die ISB war sehr hilfreich. Die Fachleute haben unser Produkt schnell verstanden und uns gut unterstützt“, erinnert sich Duchene. Und zwar auch bei der Suche nach einem Standort: Weil für eine ISB-Beteiligung ein Geschäftssitz oder eine Betriebsstätte in Rheinland-Pfalz Voraussetzung ist, wurde Philipp Schultz, Sachgebiets­leiter Investorenservice bei der ISB, aktiv. 

Wir helfen Unternehmen dabei, hier bei uns den optimalen Standort zu finden.

Philipp Schultz
Investorenservice ISB

„Wir hatten großes Interesse daran, dass sich Lamina­Heat bei uns ansiedelt“, erklärt er. „Insbesondere innovative Firmen schaffen Arbeitsplätze und stärken die Wirtschaft hier in der Region. Der internationale Wettbewerb ist groß, da freuen wir uns natürlich immer, wenn eine Ansiedlung klappt.“ So setzte er alle Hebel in seinem großen Netzwerk in Bewegung, kontaktierte verschiedene regionale und kommunale Wirtschaftsförderungen und fragte an, ob es nicht geeignete Objekte gäbe. Die Anforderungen von LaminaHeat waren klar: Eine Produktionshalle zur Miete sollte es sein, mit mindestens 500 Quadratmetern und der Option, kurzfristig auf 1.000 Quadratmeter zu erweitern. Nach kurzer Zeit hatte Philipp Schultz mehrere passende Angebote erhalten – in die engere Wahl kamen schließlich drei Standorte, die er LaminaHeat mit Fotos, Luftaufnahmen, Zahlen und Daten präsentierte. „Es war dann schnell klar, dass sie nach Kirchheimbolanden wollen“, erinnert sich Philipp Schultz. „Dort stand ein ehemaliges Maschinenwerk leer. Der Vermieter war sehr flexibel, konnte auf alle Bedürfnisse eingehen.“ Und auch Robert Bläsius erinnert sich noch gut, dass die Entscheidung nicht schwierig war: „Der Standort passt einfach. Er liegt in der Nähe der Autobahn, der Flughafen ist schnell erreichbar, und der Preis ist gut.“ Er befindet sich außerdem in einem der spezifischen Fördergebiete, in denen es möglich ist, bei der ISB einen Investitions­zuschuss von 30 Prozent aus den Programmen der Regionalförderung des Landes zu beantragen. 

Im Sommer 2016 ist LaminaHeat dann mit sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach Kirchheim­bolanden gezogen – mittlerweile läuft dort Meter um Meter des innovativen grauen Lochgewebes aus den eigens konstruierten Anlagen. In der Fachwelt wird der hitzeleitende Stoff zunehmend bekannter, könnte schon bald immer häufiger großflächig unter der Oberfläche von Gehwegen und Dächern, von Textilien und Autositzen, als Heizung in Böden, Wänden und Decken von Gebäuden eingesetzt werden. Eine Revolution auf dem Markt, eine Revolution „made in Rheinland-Pfalz“ – da sind sich die Macher sicher. Mit ihrer Standortwahl sind sie übrigens sehr zufrieden: „Es ist einfach schön hier. Die infrastrukturellen Bedingungen passen perfekt, es gibt motivierte Arbeitskräfte. Und: Die Luft ist frisch und es ist grün. Es sieht aus wie in Irland.“ Nur eines vermissen sie manchmal: „Das Guinness?…!“ Aber dieses Problem werden die Erfinder bestimmt auch noch lösen.  

Wenn sich ein Unternehmen in Rheinland-Pfalz ansiedeln will, kann die ISB bei der Suche nach einem geeigneten Standort behilflich sein: Sie hat direkten Kontakt zu den Wirtschaftsförderungen der Land­kreise und Kommunen, die wiederum wissen, welche Flächen und Immobilien in ihrer Region verkauft oder vermietet werden sollen. 

Außerdem betreibt die ISB im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz einen Standortfinder – eine Datenbank im Internet, in der Interessierte gezielt nach passenden Flächen für ihr Unternehmen suchen kann. Eingegeben werden die Angebote ebenfalls von den Wirtschaftsförderungen. Die Suche ist nach vielen verschiedenen Kriterien möglich: In welcher Region soll gesucht werden? Ist ein Standort nahe der Autobahn gewünscht? Möglichst ohne Ortsdurchfahrt? Ist ein 24-Stunden-Betrieb notwendig? Derzeit sind über 300 Angebote in ganz Rheinland-Pfalz zu finden.