Wenn die Chemie stimmt

Familie Wedell hat sich auf Sauberkeit spezialisiert

Neutec Chemie verkauft Reinigungs- und Pflegemittel an Geschäftskunden  – und hat ein Produkt entwickelt, das unangenehme Gerüche für immer vertreibt. 

Er kommt in einem leuchtend blauen Jackett in den Raum, begrüßt seine Gäste und beginnt gut gelaunt zu reden. Das tut Fred Wedell gerne, am liebsten über Gott und die Welt und auch mal über das Geschäft. Nein, Chemiker sei er nicht, ganz im Gegenteil, er verstehe nicht mal viel von Chemie, verrät der 83-Jährige sofort. Geschadet hat das seinem Unternehmen aber nie, seit Jahrzehnten verkaufen sich die Reinigungsmittel von Wedells Firma Neutec Chemie bestens. Und das liegt in erster Linie an der perfekten Mischung der Wedell-Familie: Der eloquente Senior und seine beiden Söhne führen die Geschäfte schon lange gemeinsam. Ronni Wedell, 62, ist für die Chemie und die Entwicklung neuer Produkte zuständig. Marco Wedell hat ein Faible für Zahlen, der 50-Jährige kümmert sich um Personal und Finanzen. Und der Vater – der erzählt und moderiert und verkauft.

Dass er mal in der Chemie landen würde, hat Fred Wedell nie geplant, nicht einmal geahnt. Als junger Mann fuhr der gebürtige Hamburger einige Jahre zur See, kam dann in die Verlagsbranche. Er richtete erfolgreich Buchhandlungen ein, organisierte einen Bücherclub – hatte immer schon einen Riecher dafür, was gut ankommen würde bei den Kunden. Verkaufen, das war sein Ding, immer nah dran an den Menschen. Irgendwann wurde er gefragt, ob er auch Reinigungsmittel verkaufen könne. Klar, warum nicht. Er sah sich die Bestandskunden des Unternehmens an, suchte und besuchte neue Kunden – und war so erfolgreich, dass er kurze Zeit später die Reinigungsmittelfirma gleich ganz übernahm. Das war 1988, er nannte das Unternehmen Neutec und verkaufte fortan von Bodenheim aus an Großkunden aus Industrie, Handel und Gewerbe. Bald stiegen auch die beiden Söhne ins Geschäft mit ein: ein Erfolgsrezept, die Chemie stimmte einfach – im doppelten Wortsinne. 

Wir verstehen uns als Partnerin der Hausbank, nicht als Konkurrenz.

Monika Redmann-Grötsch
Kundenbetreuerin Bürgschaften ISB

Heute arbeiten rund 120 Menschen für das Unternehmen, etwa 400 Produkte hat Neutec im Sortiment – Reinigungs- und Pflegemittel, Schmierstoffe, Aerosole, alles umweltfreundlich produziert von ausgesuchten Auftragsunternehmen. Den Vertrieb organisiert das Unternehmen selbst, im Wirtschaftspark Mainz-Hechtsheim ist eigens zu diesem Zweck erst vor Kurzem ein großer Logistikkomplex entstanden: eine Hightech-Halle, 2.000 Quadratmeter groß, mit gut sechs Meter hohen Regalen, in denen die Ware gelagert wird. Dazu kommen besonders geschützte Bereiche für die Lagerung von Gefahrstoffen. Als die Wedells mit ihrer Hausbank, der Mainzer Volksbank, über einen Kredit für das Logistikzentrum sprachen, schlug ihnen ihr Berater Andreas Kurz sofort die ISB für eine Bürgschaft vor – bei so großen Projekten ist es üblich, dass eine Hausbank das Risiko nicht allein trägt. „Wir sind für die Hausbanken eine Risikopartnerin, wenn es um große Investitionen von volkswirtschaftlich förderwürdigen Vorhaben geht. Das gehört zu unseren Kernaufgaben“, erklärt Monika Redmann-Grötsch, Kundenberaterin im Bereich Bürgschaften bei der ISB. „Die ISB ist für uns sehr präsent“, ergänzt Bankberater Andreas Kurz. „Wir arbeiten regelmäßig zusammen: Wenn meine Firmen­kunden Investitionen planen, überlege ich immer, ob es nicht ein geeignetes Programm oder eine Förderung der ISB gibt.“ Ein günstiges Darlehen oder eben eine Bürgschaft wie im Falle Neutec Chemie. 

Die Wedells auf jeden Fall sind zufrieden mit dieser Zusammenarbeit, sie haben die Logistikhalle bekommen, die sie dringend brauchten. Drinnen stehen nun hunderte Kanister mit farbigen Flüssigkeiten – manche werden später zu Flüssigseife oder Fettlösern verarbeitet, andere werden Autos oder Abflüsse reinigen, wieder andere Kaffeemaschinen entkalken oder Klebstoffe entfernen. Besonders stolz sind die Wedells auf Substanzen, die sie zur Geruchsentfernung entwickelt haben. „Wir hatten einen Kunden, der Fisch importiert“, erzählt Fred Wedell. „Das Problem war: Seine Container haben immer stark gerochen, egal wie oft sie gereinigt wurden.“ Neutec hat ihm dann ein selbst entwickeltes Anti-Geruchs-Produkt vorgeführt – dadurch werden, erklärt Chemie-Experte Ronni Wedell, die Geruchsmoleküle für immer zersetzt. Mehr will er nicht verraten, Rezeptur und Funktionen der Mittel von Neutec Chemie sind patentiert und so etwas wie der Firmenschatz. Aber den Effekt, den verrät der Firmengründer dann doch ausgesprochen gerne: „Der Fisch-Geruch war weg, nicht für ein paar Stunden, sondern für immer!“  

Wenn ein Unternehmen Fremdkapital benötigt, ist in der Regel die Hausbank die erste Ansprechpartnerin. Sie wiederum hat die Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen Programme der ISB mit in die Finanzierung einzubeziehen – etwa mit günstigen Darlehen oder Beteiligungen. Und auch Bürgschaften vergibt die ISB bei Projekten von Unternehmen, bei denen Kredite von mehr als 1,6 Millionen Euro benötigt werden. Damit steht die ISB der Hausbank als Risikopartnerin zur Seite. Bei anderen Programmen beteiligt sich die ISB als Konsortialpartnerin an Bankfinanzierungen oder übernimmt eine Haftungsfreistellung, damit es Unternehmen leichter gemacht wird, Kredite zu bekommen.

Hausbank und ISB stehen also nicht in Konkurrenz zueinander, sondern ergänzen sich in ihren Angeboten und arbeiten eng zusammen, so bietet die ISB beispielsweise regelmäßig Workshops für Firmenkundenberaterinnen und -berater an, um ihre Produkte und Angebote vorzustellen.